Archivsprengel:
Geschichte und Verwaltungszugehörigkeit
1. Geschichte der Stadt Olpe
Um 800 wurde vermutlich auf einem Reichshof an der Kreuzung der Fernwege „Römerweg“ (Bonn/Paderborn) und „Eisenstraße“ (Frankfurt/Dortmund) im Mündungswinkel von Olpe und Bigge eine dem hl. Martinus geweihte Eigenkirche gegründet. 1220 wird Olpe – der Name wurde von der vorbeifließenden Olpe auf Hof, Kirche und Siedlung übertragen („Olepe” = ‚Bach im feuchten Talgrund’) erstmals urkundlich genannt. Das Patronat der Kirche lag 1233 beim Stift St. Severin in Köln, das Präsentationsrecht später bei Magistrat und Gemeinde der Stadt Olpe (bis 1946). Vermutlich gingen Hof, Kirche und Siedlung 1248 (aus ursprünglich pfalzgräflichem Besitz ?) mit dem Erwerb der Herrschaft Waldenburg bei Attendorn durch Erzbischof Konrad von der Witwe Gräfin Mechthild von Sayn an das Erzstift Köln über und blieben beim jetzt kölnischen Amt Waldenburg.
Erzbischof Heinrich II. verlieh 1311 dem auf dem Hof Olpe entstandenen Dorf die Stadtrechte (Attendorner bzw. Soester Stadtrecht). Stadtpatron wurde der bisherige Kirchenpatron St. Martinus (1360 belegt). Der Mauerring mit mehreren Türmen und drei großen Toren umfasste eine Siedlungsfläche von ca. 3 ha – an der Obersten Pforte befand sich ein Burglehen (genannt Küchenstätte, später das Haus des kurfürstlichen Richters). In der frühen Neuzeit entwickelten sich die Vorstädte Felmicke, Weierhohl und Unterste Vorstadt – letztere wurde nach dem Stadtbrand von 1634 nicht wieder aufgebaut. Weitere Großbrände lassen sich 1373, 1795 und 1810 nachweisen. Nach dem Brand von 1795, der über 250 Häuser vernichtete, erfolgte der Wiederaufbau der Stadt nach Plänen des kurkölnischen Baumeisters Johann Adam Stahl, der den mittelalterlichen Grundriss zugunsten einer Reißbrettstadt weitgehend aufgab. Mittelalterliche Mauerreste mit dem Hexenturm blieben erhalten; der Südturm wurde 1961 wieder aufgebaut. 1944/45 zerstörten ebenfalls Luftangriffe Teile der Innenstadt.
Seit dem 11. Jahrhundert sind im Olper Raum Eisengewinnung und -verarbeitung (Rennfeuerhütten) belegt. 1454/56 sind Hammerschmieden nachweisbar: Fabrikation von Halbfabrikaten (Bleche und Blechwaren, Pfannenscheiben und Pfannen), Eisen- und Kupferkesseln. Das Olper Schmiedeamt datiert von 1567. Das Breitschmiedeamt der Gerichte Olpe, Drolshagen und Wenden wurde 1669 gegründet. Der „Olper Pannenklöpper“ wurde zu einem Markenzeichen. Im 17. Jahrhundert erlangten die Kupfererzbergwerke in der Rhonard Bedeutung (Stachelauer Kupferhütte 1597). Von 1678-1811 war Olpe Sitz eines Unterbergamtes. Bedeutsam war auch die Lohgerberei. Die Gerber, Metzger und Schneider waren spätestens seit 1676 in jeweils eigenen Zünften vereinigt. Im 16./17. Jahrhundert gehörte Olpe als „zugewandte“ Stadt über Attendorn dem Hansebund an. Bis in die Gegenwart ist Olpe von mittelständischer Metallindustrie geprägt. Der 1965 gestaute Biggesee, Westfalens größte Talsperre, hat zentrale Bedeutung für den Fremdenverkehr.
1819 wurde Olpe anstelle von Bilstein Kreisstadt und als expandierender Verwaltungssitz und durch seine verkehrsgünstige Lage vor allem nach Bahnanschluss 1875 allmählich zum Zentralort des südlichen Sauerlandes. Das Stadtgebiet umfasst heute 85,65 qkm. In ihm leben über 26.000 Einwohner.
2. Verwaltungszugehörigkeit im 19. und 20. Jahrhundert
2.1. Politische Zugehörigkeit
1802 |
Besitznahme des Herzogtums Westfalen durch hessen-darmstädtische Truppen. |
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1807 |
Bildung des Justizamts Olpe aus den ehemaligen, um 1591 vereinigten Gerichten Olpe-Drolshagen-Wenden mit Sitz in Olpe - auch Verwaltungsbehörde bis 1817. |
1808 |
Das Dorf Oberneger und der Ort Haardt - bisher zum Amt Bilstein, aber kirchlich zu Rhode gehörig - werden mit dem Amt Olpe vereinigt. |
1808 |
Einführung der Schultheißverfassung in den hessischen Landgemeinden. Bildung der Schultheißbezirke Rüblinghausen, Lütringhausen, Saßmicke, Thieringhausen, Alten- und Neuenkleusheim, Rehringhausen, Rhode, Eichhagen und Oberneger. Rosenthal und Ronnewinkel werden dem Schultheißbezirk Frenkhausen im Kirchspiel Drolshagen zugeteilt (bis 1826). |
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Erlass der Schultheißordnung für die Stadt Olpe: Aufhebung der Ratsverfassung - die Stadt verliert die seit Jahrhunderten bestehenden Rechte. Beseitigung der mittelalterlichen Trennung zwischen Stadt und Land zugunsten eines neuen, einheitlich organisierten Kommunaltyps. An die Stelle des Bürgermeisters tritt ein Stadtschultheiß (Staatsbeamter). |
1816 |
Der auf dem Wiener Kongress 1815 beschlossene Anschluss des Herzogtums Westfalen an Preußen wird vollzogen. Olpe gehört seither dem neu gebildeten Regierungsbezirk Arnsberg in der ebenfalls neu geschaffenen Provinz Westfalen an. |
1817 |
Bildung des Kreises Bilstein aus den in hessischer Zeit geschaffenen Justizämtern Attendorn, Bilstein und Olpe. Sitz des Landratsamts ist Bilstein, erster Landrat Caspar F. J. Freusberg. |
1819 |
Der Kreis Bilstein wird in Kreis Olpe umbenannt: Olpe wird Kreisstadt und Sitz des Landratsamts. |
1826 |
Auflösung der Schultheißbezirke: Errichtung der Bürgermeisterei Olpe, bestehend aus der Stadt Olpe und den Landgemeinden des ehemaligen Gerichts Olpe, den ländlichen Teilen des Kirchspiels Olpe sowie den Kirchspielen Kleusheim und Rhode. Die Stadt stellt keine eigenständige Verwaltungseinheit mehr dar. |
1839 |
Auflösung des preußischen Justizamts Olpe. Es entsteht das Stadt- und Landgericht Olpe, 1849 das Kreisgericht. |
1843 |
Beseitigung der hessischen Schultheißverfassung durch Einführung der modifizierten Westfälischen Landgemeindeordnung mit Bildung des Amtes Olpe, bestehend aus der Stadt Olpe, den Landgemeinden des Kirchspiels Olpe sowie den Kirchspielen Kleusheim und Rhode. |
1850 |
Einführung der neuen, erstmals in Preußen parlamentarisch verabschiedeten Gemeindeordnung (Revolutions-Kommunalverfassung) in Olpe - aufgehoben 1853. |
1857 |
Verleihung der Westfälischen Städteordnung von 1856 an die Stadt Olpe. Die Stadt scheidet 1858 aus dem Amtsverband aus - Stadt und Amt (=Gemeinden Olpe-Land, Kleusheim und Rhode) werden nun in Personalunion vom Bürgermeister der Stadt geleitet. |
1900 |
Die seit 1857 bestehende Personalunion der Verwaltungsspitze des Amtes und der Stadt Olpe endet. Das Amt erhält einen eigenen Amtmann. |
1934 |
Wiederherstellung der Verwaltungsgemeinschaft zwischen Stadt und Amt Olpe. |
1969 |
Seit der kommunalen Neugliederung gehören auch die Gemeinden Kleusheim, Olpe-Land und Rhode des Amtes Olpe sowie Teile der Nachbargemeinden Helden (Oberveischede, Tecklinghausen, Neuenwald), Rahrbach (Fahlenscheid) und Kirchveischede (Apollmicke) zum neuen Stadtgebiet der Stadt Olpe. |
2.2. Kirchliche Zugehörigkeit
Bis 1821/23 gehörte das kurkölnische Sauerland mit dem Gebiet der heutigen Stadt Olpe zum Erzbistum Köln und wurde erst durch die Bulle „De salute animarum” dem Bistum Paderborn (seit 1930 Erzbistum) zugewiesen.
Das Kirchspiel Olpe zählte seit dem Mittelalter zum Dekanat Attendorn. 1923 wurde das Dekanat Olpe gegründet. Nach Auflösung der bisherigen Dekanate im Erzbistum Paderborn wurde 2006 aus den Dekanaten Olpe, Attendorn und Elspe das Dekanat Südsauerland mit Sitz in Olpe gebildet.
Von St. Martinus in Olpe wurden 1621 St. Cyriacus Rhode (Kirchturm 12./13. Jahrhundert), 1715 St. Georg Kleusheim und 1957 die Pfarrei St. Marien Olpe abgepfarrt.
2001 entstanden die Pastoralverbünde „Olpe Biggesee“ (St. Martinus, Hl. Geist, St. Cyriakus Rhode, St. Barbara und Lucia Neger, St. Lucia Oberveischede) und „Olpebach-Täler“ (St. Marien Olpe, St. Georg Neuenkleusheim, St. Josef Altenkleusheim und St. Nikolaus Rehringhausen).
Eine evangelische Kirchengemeinde entstand in Olpe erst 1842/44 (Kirche 1897/98). Ihr gehören alle Ortschaften der Stadt Olpe nach der kommunalen Neugliederung von 1969 an, mit Ausnahme von Oberveischede, Tecklinghausen und Apollmicke. Die Gemeinde gehört seit ihrem Bestehen zum Kirchenkreis Siegen, dieser zur Evangelischen Kirche von Westfalen.



